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Renaturierung Kieswerk Heidbrink

Das Naturschutzgebiet "In den Eichen"

Im Folgejahr dann eine kleine Sensation: Die nachhaltige Bewirt­schaftung der Flächen schon während des Abbaus führte dazu, dass 1995 im laufenden Abbaubetrieb das Abbaugelände als Teil des ca. 110 ha großen Naturschutzgebietes "In den Eichen" ausgewiesen wird!

Während anderenorts der Kiesabbau im Auenbereich der Weser von Naturschützern erbittert bekämpft wird, stellt die Naturschutzbehörde hier einen laufenden Kiesabbau unter Schutz!

Foto01Abb. 3: NSG-Ausweisung auf den Flächen des ehemaligen Kieswerks Heidbrink

Schutzgegenstand: Das Naturschutzgebiet umfasst den ökologisch wertvollen Bereich der Nieder- und Mittelterassen innerhalb einer Flussschleife, an deren Gleitufer sich bis zu 20 m mächtige diluviale Kiese und Sande abgelagert haben. Auf dem Sedimentationskörper der Mittelterassen stocken naturnahe Laubmischwälder mit hohen Anteil alter Eichen und hohem Totholzanteil. An die Waldbestände angrenzend erstrecken sich durch Kiesabbau entstandene Abgrabungsgewässer und weitere Flächen die gegenwärtig einer Kiesentnahme unterliegen.

Die Abgrabungsgewässer im Bereich der Niederterasse stehen im Einflussbereich des Hochwasser­geschehens der Weser. Insbesondere für bedrohte Tier- und Pflanzenarten der natürlichen Flussauen und für ziehende Wasservögel dienen die Abgrabungsgewässer und die daran angrenzenden Flächen als Ersatzlebensraum.


Hintergrund

Die Niederungen großer Flüsse gehören ursprünglich zu den artenreichsten und vielfältigsten Lebensräumen Mitteleuropas. Durch die ungebändigte Dynamik der Hochwasserereignisse wurden die an dem Fluss grenzenden Auenlandschaften geprägt.

Ein ständig wechselndes Mosaik unterschiedlicher Lebensräume auf engstem Raum: nährstoffreiche Schwemmflächen, karge Kiesbänke, tiefe Kolke und kurzlebige Gewässer die periodisch austrockneten. Steilufer neben flachen Sand- und Kiesbänken, angrenzende Nasswiesen und artenreiche Auenwälder bestimmten eine ganz eigene Landschaft, die mit jedem Frühjahrshochwasser ein neues Gesicht bekam.

Viele heute stark bedrohte Tier- und Pflanzenarten waren hier beheimatet. Fischotter und Biber gehörten ebenso zu den typischen Tierarten der Flussniederung wie Pirol, Storch und Sumpf­schild­kröte, die bis ins 19. Jahrhundert auch das Bild der Oberweser prägten. Stör und Lachs waren Teil der heute unvorstellbar reichhaltigen Fischfauna.

Doch der Mensch hat sich schon frühzeitig die Flüsse und Ströme auf die unterschiedlichste Art zunutze gemacht. Wegen dieser Nutzungen und weil sich der Mensch vor Hochwasser schützen wollte, waren seine Eingriffe in die Flussaue erheblich.

Aus diesem Grund ist die Wiederherstellung natürlicher Strukturen durch den Kiesabbau ein besonders wertvoller Beitrag zum Erhalt dieser einmaligen Flusslandschaften.

Foto03Abb. 4:  Abbaugewässer am Heidbrink | Tiefe Wasserbereiche, nährstoffarme Kiesflächen und Flachwasserbereiche

Die Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden bestätigt mit Schreiben vom 09.10.2009 den hohen naturschutzfachlichen Wert der Abbaugewässer. "Die Abgrabungsgewässer haben eine hohe Bedeutung als Ersatzlebensraum für die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt der natürlichen Flussauen sowie für ziehende Wasservögel".


Doch damit nicht genug: Nachdem der Kies- und Sandabbau am 31.12.2001 im Kieswerk eingestellt worden ist, beschränkte man sich nicht auf den erforderlichen Rückbau der Anlagen sowie Modellierung der Flächen und Anpflanzungen von Gehölzen. Auf Initiative des Kieswerks Müller und Herrn Reker wurden Naturschutzmaßnahmen durchgeführt, die weit über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen.